Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Aktion

Mafia Nein Danke.

Aktuelle Bücher
BLOG


EIN FDP-MdB, 

eine rumänische Universität 

und ein Professorentitel

 

 

 


 

 

 

 

Sektionen

18. April - Schreiben und nicht Lesen

erstellt von plonemanager at 18.04.2009 21:10 |

Meine Erfahrung ist, dass Die Zeit über die Mafia in Italien hervorragende Berichte schreibt und ebenso hervorragende Autoren hat. Aber wenn man sich mit der Mafia in Deutschland konkret beschäftigt, scheinen viele selbst seriöse Journalisten politisch blind zu werden oder wild um sich zu schlagen. Typisch dafür ist ein Artikel in der Die Zeit vom 16. April. Da schreibt Christian Denso über mein Buch "Mafialand Deutschland". Na, denke ich. Da hat ein kluger Kopf das Buch gelesen. Aber mein Eindruck ist er hat nur die ersten zwei Seiten gelesen. Denn nur darauf bezieht er sich, um dann die eigentllich politisch unwichtige Frage zu klären, warum ich mit meinen Bücher "solchen Erfolg" habe. Ich schreibe zu Beginn meines Buches über ein "Mafiadinner" in einem Nobelhotel und zitiere dabei aus der Einladung, nenne exakt die Quelle im Internet, definiere das Ganze als eine Inszenierung, ein Gaudium für Betuchte. Dann frage ich, ob die Mafia in Deutschland inzwischen eine Fiktion ist, ein Thema für besonders Events, eine Opera buffa? Danach beschreibe ich das Massaker in Duisburg, also die konkrete Praxis, und weiter den Einfluss der Ndrangheta in Deutschland. Das dialektische Verhältnis zwischen beiden Ereignissen (Mafia als Theateraufführung einerseits und die bittere Realität andererseits) hat der Autor dummerweise nicht verstanden oder er war schlicht intellektuell überfordert.

 

Für Christian Denso ist meine Erwähnung  des sogenannten Mafiadinners ein Aufbauschen, über das man schmunzeln kann.  Nachdenken wäre vorteilhafter gewesen. Danach hat er  wahrscheinlich nicht mehr weitergelesen. Sondern er beschäftigt sich ausführlich mit dem Sachsensumpf. Hier hätte ich, glaubt er zu wissen, "nahezu alles gelesen, was der Verfassungsschutz zusammengetragen hatte". Und ich hätte den Fall eines bestechlichen Staatsanwalts enthüllt. Das habe ich zwar nicht getan, spielt ja schon gar keine Rolle mehr, und natürlich habe ich nicht "nahezu alles gelesen" was der Verfassungsschutz zusammengetragen hatte. Schön wäre es gewesen. Aber, so schreibt Denso, "heute wissen wir, dass ein solcher Sumpf nicht existierte." Und bestechlich sei der Staatsanwalt auch nicht gewesen. Fazit: Schlecht recherchiert.

Ich frage mich woher Christian Denso das alles weiß und demnach auch wir, also alle Leserinnen und Leser. Das der Sachsensumpf nicht existierte, sozusagen irgendwie meine Erfindung gewesen sei - der entsprechende Untersuchungsausschuss ist doch noch überhaupt nicht zu Ende! Und er hat bislang schon ans Tageslicht gebracht (man sollte halt einmal die Berichte über den Untersuchungsausschuss lesen), dass vieles von dem,  was als Erfindung von Medien und des Verfassungsschutzes durch die sächsische Staatsregierung und die folgsamen Medien diffamiert wurde, tatsächlich auf vielen Indizien beruhte. Und von einem bestechlichen Staatsanwalt war sowieso nie die Rede, vielmehr von Juristen, auch Staatsanwälten, die in einem Bordell verkehrten und sich dadurch unter Umständigen erpressbar machten.  Dabei hätte er in dem Buch nur das entsprechende Kapitel lesen müssen. Hier wurden die vielen Widersprüche im Zusammenhang mit dem Sachsensumpf dargestellt. Aber so weit ist er bei der Lektüre ja leider nicht gekommen. Zwei Seiten lesen und dann eine Kritik schreiben und nichts von den vielen Skandalen, um den Einfluss der Mafia in Deutschland wahzunehmen - das ist selbst für "Die Zeit" etwas dürftig. Und so kommt er zu den Ergebnis, dass diejenigen, die meine Bücher lesen, "schummrig vor lauter Verbrechen" werden, mit "abgekürzten Nachnamen etc." Natürlich sind sie abgekürzt, weil es keine Möglichkeit gibt, ihre Namen zu nennen, ohne mit den Pressegerichten in Konflikt zu geraten. 

Petra Reski, auch Zeit-Autorin, macht doch gerade entsprechende Erfahrungen.  Und weil ich aus BKA-Analysen zitierte, die übrigens auch Petra Reski vor den Pressegerichten in München und Düsseldorf nicht hilfreich waren, musste mein Buch - wie das von Petra Reski - geschwärzt werden.Hätte Denso lieber ein Buch mit vielen schwarzen Balken. Oder was wird von ihm gefordert? Die Arbeit der Polizei zu übernehmen? Oder doch lieber Omertá in den Medien über die Mafia und ihre Hintermänner hier? Es ist daher ziemlich  kühn zu schreiben, dass ich bei meinen Lesern "das Bedürfnis nach einfachen Erklärungen, nach einer Welt von Gut und Böse" bediene. Ich weiß überhaupt nicht wo ich mit moralischen Kategorien gearbeitet habe. Die Leser wollen einfach aufgeklärt werden und dazu liefere ich Diskussionsstoff - nicht mehr und nicht weniger.

Ach, wäre es schön gewesen, wenn er einmal das  Buch einfach zu Ende gelesen hätte und auf die konkreten Informationen eingegangen wäre. Und entsprechende Quellenhinweise wurden ja genügend geliefert. Aber für den Rezensenten ja leider erst auf den letzten Seiten, ganz hinten, wo der Rezensent nicht mehr hingefunden hat. Es muss wohl zu anstrengend gewesen sein. 

Denso

Kommentar von John Dean aka Lothar Lammfromm am 27.06.2009 22:46
Herr Denso ist im bloggenden Internet, wie ich finde zurecht, verpönt. Verpönt wegen wilder rhetorischer Rundumschläge, wo er sich in der Art eines rechten Schmierfinken über Angelegenheiten äußert, zu denen er offenkundig nicht sehr gründlich recherchiert werden kann.

Anders gesagt, obwohl "Denso" vom Sprachklang für "dicht" gehalten werden könnte, muss man ihn als Journalisten wohl eher - leider - für sehr flach halten. Er übertönt den Mangel an Substanz dann eben durch zu Papier gebrachtes Geschrei.

Wie gesagt: Blogger, die seine Artikel gelesen haben, mögen die Arbeit von Herrn Denso nicht. Vielmehr ist erstaunlich, dass er den Weg zur ZEIT gefunden hat.

Wir leben in merkwürdigen Zeiten - Leute wie Herr Denso sind in meinen Augen eine Art Selbstenthauptungschlag der vierten Gewalt.

Denso

Kommentar von John Dean aka Lothar Lammfromm am 27.06.2009 22:48
Korrektur: Statt "zu denen er offenkundig nicht sehr gründlich recherchiert werden kann." besser "zu denen er offenkundig nicht sehr gründlich recherchiert haben kann."