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DIE ITALIENISCHE JUGEND DEMONSTRIERT GEGEN DIE MAFIA

erstellt von Jürgen Roth at 26.03.2010 20:20 |
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Vor einer Woche fand in Turin, organisiert von FLARE (Freedom, Legality and Rights in Europe) eine dreitägige Veranstaltung statt. Eingeladen waren insbesondere Opfer der Organisierten Kriminalität sowie Staatsanwälte und Journalisten aus Osteuropa. Mit dabei waren Ilya Politkosvski, der Sohn der ermordeten Anna Politkovskaja und Isolke Aikpitany aus Nigeria, ein Opfer des Sklavenhandels. Als einzige Abgeordnete des Europäischen Parlaments kam Monika Luisa Macovei, die ehemalige rumänische Justizministerin. Am Abend des 19. März wurde in Turin der Opfer der Organisierten Kriminalität gedacht.

Es war beeindruckend, dass überwiegend junge Menschen an der Demonstration in Turin teillnahmen und man sich mitten unter ihnen als alter Mann fühlte. Und ich erkannte, dass unsere Generation den Kampf gegen die  Organisierte Kriminalität verloren hat, weil es nicht gelungen ist dieses soziale und kulturelle Krebsgeschwür einer demokratischen Gesellschaft einzudämmen - im Gegenteil. Die einzige Hoffnung ruht auf diesen jungen Menschen.  Ich sprach darüber mit einem aus Sachsen angereisten Richter (immerhin!) der meinte, man müsse  gerade deshalb diese jungen Menschen unterstützen. Am Abend fuhren die Teilnehmer der Tagung  nach San Sebastiano da Po, in ein von den Behörden beschlagnahmtes Landgut des hochkarätigen Angehörigen Mitglieds der Ndrangheta Belfiore. Das Landgut wurde von Richter Bruno Caccia bereits Anfang der achtziger Jahre beschlagnahmt. Daraufhin wurde der Richter ermordet. Heute ist das Landgut ein sozialer und kultureller Treffpunkt für Bürgerinitiativen.

Am nächsten Tage fuhren wir alle zusammen nach Mailand, um an der großen Demonstration von Libera, der größten italienischen Antimafiabewegung teilzunehmen. Über hunderttausend  Menschen kamen aus allen Teilen Italiens nach Mailand. Am gleichen Tag demonstrierten übrigens in Rom 150.000 Anhänger des großen Paten,  Silvio Berlusconi, und hielten Plakate iin die Luft : "Die Richter sind Mörder". Und natürlich berichteten die meisten italienischen Medien wie alle deutsche Medien nicht über die Antimafiademonstration.

In Mailand waren es, abgesehen von Antimafiastaatsanwälten und Kriminalisten, zu über fünfundneunzig Prozent junge Menschen, die der Opfer der Mafia gedachten, in dem über zwei Stunden die Namen der von der Mafia ermordeten Männer und Frauen verlesen wurden und gemeinsam zum Kampf gegen die Mafia aufgerufen wurde, um eine   Kultur der Legalität durchzusetzen.

Es war außerordentlich beeindruckend und der Gedanke ging mir nicht aus dem Kopf, ob so etwas überhaupt in Deutschland oder Österreich möglich sei.  Österreich kann man sowieso vergessen, aufgrund der rechtslastigen dumpfen politischen Kultur - aber in Deutschland gibt es sicher nicht weniger kritische junge Menschen wie in Italien.

Als wichtiges politisches Instrument - das wäre auch ein Beispiel für Deutschland - wurde von den Demonstrationsteilnehmern und den Sprechern die Beschlagnahme krimineller Besitztümer gefordert, die sozialen und kulturellen  Zwecken zur Verfügung gestellt werden müssen. In Italien wird das bereits durchgesetzt - in Deutschland ist seltsamerweise daran nicht zu denken. So manche großartige Villa und so einige prächtige Schlösser in Baden-Württemberg oder Bayern von Vorstandsvorsitzenden großer Konzerne und von Mafiabossen (sofern man das noch trennen kann) stehen da zur Auswahl.

 

Bravo!

Kommentar von Sebastian am 28.03.2010 08:58
Ich freue mich über diese Demonstration! Das ist es, was unsere Gesellschaft braucht: Engagierte Menschen und eine aufgeklärte Jugend, die die richtigen Entscheidungen treffen und gegen diese unsäglichen Geheimbündeleien und den ganzen widerlichen Filz einstehen! Ich hoffe, dass man sich im Rest Europas und der Welt an solchen Aktionen ein Beispiel nimmt! Geheime Verbrechen müssen aufgedeckt werden! In einem Bild: Die Schlange muss aus dem Loch geklopft werden!

Leitfaden für Deutschland

Kommentar von Nordmann am 25.04.2010 15:34
In dem von Mord und Totschlag heimgesuchten Italien gibt es tatsächlich etwas, das es hier zu Lande, in der wunderbarsten aller gleichgeschalteten Demokratien, nicht gibt: den offenen Widerstand gegen das mafiöse Verbrechen.

Bemerkenswert die Aussage des Mafiaexperten Andrea Cammillerie, sein neues Buch "M wie Mafia" unbedingt lesenswert:

Andrea Camilleri, einer der erfolgreichsten Schriftsteller Italiens (Commissario Montalbano), hat sich in einem Interview für das Kulturmagazin "Titel Thesen Temperamente" (ARD) an den Parteispendenskandal von Helmut Kohl erinnert.
Politik und Mafia sei bis heute eine Allianz und das nicht nur in Italien, so Camilleri. Mit dem Verweis auf den Parteispendenskandal von 1999 habe auch in Deutschland "eine gewisse Denkweise" Einzug gehalten.

Camilleri wörtlich: "Ich hätte niemals erwartet, dass Kohl sich auf diese Art und Weise versucht zu entschuldigen. Wenn man seine Partei so verteidigt, im Stile der Omertá, diesem Gesetz des Totschweigens des Verbrechens unter dem Deckmantel der Ehre, dann ist das paramafiös."
Vorherige Einträge
PEER STEINBRÜCK ZEIGT SEIN WAHRES GESICHT - DORT WO ER VORTRÄGE HÄLT.
Es könnte eigentlich ein Märchen aus einem Land sein, in dem demokratische Transparenz und ethisches Verantwortungsgefühl eigentlich ein Fremdwort ist.
Artur B. war in Rostock einst eine einflussreiche Unterweltgröße. Und er hatte anscheinend mächtige Verbündete. Das ist Teil I der Geschichte:
Oleg Deripaska ist auch in Europa ein mächtiger Oligarch. Doch wie kam er zu seinem Reichtum?
In einem der umstrittensten Hotels von Montenegro treffen sich derzeit europäische Top-Kriminalisten von Interpol. Auch die Führungselite des BKA ist anwesend. Und alle schmeicheln Montenegros Ministerpräsidenten. Ich schaue von außen zu.
Irgendwie klebt der bekanntlich nicht vorhandene Sachsensumpf, also die korruptiven und kriminellen Netzwerke in Sachsen, an einem hängen.
Wirtschaftskriminalität, Organisierte Kriminalität und Korruption werden endlich – wenn auch weit überwiegend von Außenseitern – als zusammengehörende Formen der kriminellen Ökonomie diskutiert.
Die georgische Mafia und ihre "Diebe im Gesetz" die in Europa, u.a. in Deutschland leben,wollen nicht nur eine georgische Subgesellschaft in Europa aufbauen, sondern mit dem kriminell erwirtschafteten Kapital die Regierung in Georgien stürzen
ZUSAMMENHÄNGE AUFZEIGEN DIE NICHT INS VORGEFASSTE DENKMUSTER PASSEN IST SEINE SACHE NICHT. BERNHARD HONNIGFORT SCHREIBT NUN, WIE ZU ERWARTEN, EBENFALLS ÜBER DEN STRAFPROZESS GEGEN DIE BEIDEN KOLLEGEN GINZEL UND DATT.
Ich hatte wirklich nicht vor, mich noch einmal mit dem unsäglichen Sachsensumpf zu beschäftigen. Doch ein Prozess in Dresden, gegen die Kollegen Arndt Ginzel und Thomas Datt, wegen übler Nachrede, macht es leider notwendig.
Das Netzwerk der georgischen Mafia
DIE ITALIENISCHE JUGEND DEMONSTRIERT GEGEN DIE MAFIA
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