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Endlich in Sizilien

erstellt von Jürgen Roth at 20.07.2009 23:25 |
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In Kalabrien habe ich mir ein Buch von Elio Veltri und Antonio Laudati gekauft: "Mafia Pulita". Die saubere Mafia. Es ist gerade erschienen und zeigt wie die Mafia sich in den letzten Jahren verändert hat. Hier in Sizilien werde ich ihre zwei Gesichter sehen - die blutige und die saubere Mafia. Der Sieger steht jedoch schon lange fest. Große Handelsketten zum Beispiel wie SISA. Und natürlich der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi. Doch darüber später mehr.

Endlich in Sizilien

Silvio Berlusconi - das ist die neue Mafia, sagte mir Leoluca Orlando in Palermo

Erste Eindrücke von Palermo. Es stinkt. Die privatisierte Stadtreinigung weigert sich die Straßen zu säubern, weil die Stadtverwaltung die Rechnungen nicht bezahlt hat. Das ist das alte, mir bekannte Palermo. So als hätte sich in den letzten 20 Jahren doch nichts verändert.

Sizilien Palermo Strasse

Sizilien Schmutz

Und so gesehen ist es geradezu selbstverständlich, dass sich auch wenig an dem Einfluss städtischer Cosa-Nostra Familien, die Palermo unter sich aufgeteilt haben, geändert hat. Das Mandamento San Lorenzo wird von der Cosa-Nostra Familei Salvatore Biondino, der Stadtteil Della Noce von Pierino Napoli, Boccadifalco von Giovanni Marciano, Porta Nuova von Nicolo Ingarao Pigliarelli von Antonino Rotolo beherrscht - regionale Mafiagruppen. Obwohl die Polizei erfolgreich gegen sie vorgeht und ihre Zukunft daher eher sehr unsicher ist, üben sie immer noch Macht aus.  Pizzu, Schutzgeld, so berichten es übereinstimmend Journalisten oder Umberto Santini vom Centro Impastato, wird nicht von vielen, sondern von fast allen Unternehmern auf Sizilien bezahlt. Pizzu hat nicht nur einen Finanzierungsaspekt (zum Beispiel als Fürsorge für inhaftierte Mitglieder und ihre Familien), sondern vor allem einen symbolischen Charakter. Damit wird deutlich gemacht, dass man die Macht über ein bestimmten Gebiet beansprucht und auch ausübt  Die Spanne der meist vierteljährlich kassierten Summen reicht von 500 Euro (kleine Einzelhandelsgeschäfte) bis hin zu 5000 Euro, eingefordert von größeren Händlern. Es sollen auch Ratenzahlungen möglich sein.  Der jährliche Ertrag für die Cosa Nostra auf Sizilien alleine durch Schutzgeld wird auf 7 Milliarden Euro geschätzt.

Jeder muss bezahlen, sogar die kleine Gemeinde von Flüchtlingen aus Bangladesh, die in einem Viertel wohnen. Nein, nicht ganz einhundert Prozent zahlen Schutzgeld. Es gibt insgesamt 383 Unternehmen in Sizilien die sich weigern. Sie haben sich der Organisation "Addiopizzo" angeschlossen. Es sind nicht einmal ein Prozent aller Unternehmen in Sizilien. Und einige der Unternehmen, die sich weigern Schutzgeld zu zahlen, benötigen Polizeischutz. Dazu zählt auch dieses im Herzen von Palermo gelegene Restaurant, in dem man übrigens hervorragend essen kann.

Restaurant

Vor wenigen Tagen wurde in Bagheria, nicht weit von Palermo entfernt, vor dieser Apotheke ein Bombenanschlag verübt, weil der Besitzer sich weigerte Schutzgeld zu bezahlen. Keiner der Angestellten wollte darüber mit mir reden, dabei haben die Zeitungen über den Anschlag als "Cronaca di Palermo" ausführlich berichtet. Das ist das eine Gesicht der Cosa Nostra.

Bagheria Apotheke

 Denn trotz des hohen Fahndungsdrucks sind die Familien der Cosa Nostra weitgehend intakt und funktionsfähig bzw. reorganisieren sich nach Verhaftungen sehr schnell und bilden neue Strukturen.  In den letzten 60 Jahren hat sie sich zu einer internationalen und globalisierten Organisation entwickelt. Von den städtischen Regionen daher eine Reise ins Landesinnere - nach Trapani, dort wo noch der Capo di Capi herrscht, Spitzname Rolex, Matteo Denaro.

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