Es gehört zum Ritual, dass jeder der sich mit der Mafia beschäftigt die obligatorische Frage gestellt bekommt: Werden Sie von der Mafia bedroht? Ja, wenn ich ein italienischer oder osteuropäischer Journalist wäre und dort lebe und arbeite.
Aber in Deutschland? Eher nein. Und alles andere zu behaupten wäre kühn. Natürlich bekommt man Ärger - aber das gehört nun mal zum Berufsrisiko. Ich schätze Petra Reski sehr, weil sie gute Bücher über die italienische Mafia schreibt. Doch ist es wirklich notwendig, immer mit der "Bedrohung" zu kokettieren?
Tatsächlich wurde vor zwei Jahren bei einer Lesung von Petra Reski von einem Italiener in Erfurt der Satz gesagt: Ich bewundere Ihren Mut.
Nun kann man das nun unterschiedlich interpretieren. Petra Reski interpretierte das als Bedrohung und lässt keine Gelegenheit aus, das zu erwähnen. Die Mafia hat tatsächlich eine Codesprache, und sie verweist mit Recht darauf, dass in Italien Staatsanwälte und Richter mit derartigen Codewörtern und Codesätzen eine Bedrohung herauslesen.
Aber das gilt für die Ermittler und Staatsanwälte, weil sie aktiv durch entsprechende Ermittlungen die Mafia in reale Gefahr bringen und nicht deshalb weil sie pauschal über die Mafia sprechen. Bedroht werden tatsächlich viele italienische Journalisten, die sich sehr konkret mit den Mafiaclans in ihrer Gemeinde oder Stadt beschäftigen. Die brauchen Polizeischutz!
Aber ich bezweifle, dass zitierte Erkenntnise des BKA, die zudem schon an anderer Stelle weitaus detailierter veröffentlicht wurden, zu einer gefährlichen Bedrohung führen. Die Betroffenen ärgern sich, na klar, aber sie werden kein Killerkommando schicken. Glücklicherweise ist da Deutschland relativ sicher. Sie werden es erst tun, wenn ihre wirtschaftlichen Interessen im Zusammenhang mit kriminellen Aktivitäten aufgedeckt werden - und das gelingt selbt dem BKA nur selten, geschweige uns Journalisten/innen
Wenn dann im Hamburger Abendblatt zu lesen ist, dass Petra Reski nur mit Personenschützern auf der Buchmesse sein konnte (das ist ganz sicher eine Erfindung des Autors des Beitrags); sie in einer Talkshow im WDR natürlich gefragt wird, wie gefährlich es ist über die Mafia zu berichten, und sie von der alten Bedrohung in Erfurt spricht; sie in der Frankfurter Rundschau mit den Worten zitiert wurde, dass sie in Italien Polizeischutz habe, aber nicht in Deutschland, dann ist das ein Problem. Journalisten lieben natürlich die oberflächliche Sensation - aber was hat das mit der Realität zu tun?
Jeder Journalist übrigens, der sich mit der Kamera an Personen heranwagt, die nicht gedreht werden wollen, hat schon immer die Erfahrung gemacht, ob in Deutschland oder Italien, dass er massiv bedroht wird - das gehört geradezu zum Alltag, ist aber kein mafiaspezifisches Problem.
Kurzum - man sollte die Kirche im Dorf lassen und nicht mit einer Bedrohung kokettieren, die in der Realität so nicht vorhanden ist.
.


Erkenntnisse zur Mafia