Es war ein großer Sieg für die Staatsanwaltschaft - der Prozess gegen Angehörige der Ismailovskaja-Mafia. Verurteilt wurden sie insbesondere auf Grund der Aussagen eines Kronzeugen. Sein Name ist Hajdarov.
Der hat sich nun mit dem verbrüdert, den er als wichtigsten Mann der Ismailovskaja beschuldigte - Michael Chernoy. Verurteilt wurden in Stuttgart fünf Angeklagte wegen Geldwäsche. ( 5 Kls 201 Js 68101/06). In dem Gerichtsurteil ist unter anderem zu lesen: "Die mittlerweile international operierende Gruppierung leitet ihren Namen aus dem nordöstlichen Stadtteil Moskau, Ismajlovo, ab. Dort hatte sie sich bereits vor dem Umbruch des sowjetischen Systems als eine vornehmlich als Räuber agierende Bande gegründet, deren Mitgliedschaft streng an einen Wohnsitz in dem benannten Stadtgebiet gebunden war. Unter der Führung von Anton Malevski wurde die Gruppierung in den 90iger Jahren überwiegend im Bereich der Privatisierung der Bergbauindustrie von dem russischen Geschäftsmann und Industriemagnaten Michael Chernoy als sogenannte "Schutzgruppe" eingesetzt...
Neben ihrer Aufgabe, gewaltsame Übernahmeversuche anderer Organisationen von Michael Chernoi und seinen Partner mit allen, auch illegalen Mitteln, abzuhalten, wurde die im Hintergrund agierende Ismailovskaja dann tätig, wenn Versuche des Michael Chernoy oder seiner Partner, Iskander Makhmoudov und Oleg Deripaska, ein Unternehmen oder Anteils davon auf legale Weise zu übernehmen, gescheitert waren. Als gewalttätiger und bewaffneter Arm des Konsortiums kam es dann zu Drohungen gegenüber Gescchäftsgegnern oder deren Familienangehörigen, zu falschen Anschuldigungen bei Polizeibehörden - ein aufgrund der engen Verwebung der Ismailosvskaja mit Justiz und Politik sehr beliebtes Mittel - zu bewaffneten Besetzungen einzelner Betriebsstätten durch Ismailovskaja-Kämpfer bis hin zur Liquidierung von Gegnern." Die Beschuldigungen gegen Oleg Deripaska, die insbesondere von dem Kronzeugen Hajdarov vor dem Landgericht erhoben wurde, hatte das Gericht in seinem Urteil als sehr glaubwürdig bezeichnet.
Der Kronzeuge Hajdarov wurde unter starkem Polizeischutz als Zeuge vernommen, weil sein Leben bedroht wurde.
Doch jetzt stellt sich heraus, dass der Kronzeuge Dschalil Hajdarov anscheinend eine sehr gute Beziehung zu dem von ihm beschuldigten Chernoy unterhält. Von einer Todesdrohung keine Rede sein kann.
Es war am Abend des 23. Januar 2011 im noblen Hilton Hotel in Tel Aviv. Dort traf sich der stellvertretende Chefredakteur des russischen Internetportals Izrus mit einem Bekannten. Und er machte große Augen als in der Lobby des Hotels der umstrittene Michael Chernoy mit seinen Leibwächtern eintraf. Wenig später kam der israelische Unternehmer Yosef Troin und mit ihm Haydarov. Also der Mann der sowohl für das FBI wie für diverse europäische Polizeidienststellen, wie das LKA in Baden-Württemberg ein wichtiger Zeuge war, um über die russische Mafia aufzuklären. Bekannt ist auch, dass er bei verschiedenen Gerichtsverfahren als Zeuge aufgetreten ist, um gegen die Ismailovskaja und Chernoy auszusagen.
"Deshalb war es einzigartig zu sehen wie Haydarov in der Lobby des Hilton-Hotels erschien und an den Tisch ging an dem Chernoy sass", schreibt das Internetportal IzRus (http://izrus.co.il/oligarhi/article/2011-01-24/13203.html.) "Sie begrüßten sich wie die besten Freunde. Man konnte danach festhalten das dieses Treffen kein Zufall war. Die Leibwächter von Chernoy sind wegegangen und setzten sich an einen anderen Tisch. Haydarov und Chernoy blieben alleine und haben sich unterhalten." Die Gespräche dauerten ungefähr eine Stunde und beide verabschiedeten sich, so die journalistischen Beobachgter, " sehr warmherzig und sie schüttelten sich die Hände wie die besten Freunde."
Der stellvertretende Chefredakteur von IzRus, Alexander Goldenstein, der Zeuge dieses Treffens wollte das historische Treffen von zwei erbitternden Feinden festhalten. Doch da kam der Geschäftsmann Troin auf ihn zu, verbot kategorisch Aufnahmen zu machen und nahm ihm den Fotoapparat ab.
Was dieses Treffen bedeutet? Für die Ermittlungsbehörden das der Kronzeuge anscheinend überhaupt nicht so gefährdet ist, das seine Aussagen in Zukunft mit großer Vorsicht zu bewerten sein werden und in Zukunft die Ismailovskaja und ihre Repräsentanten nichts mehr zu befürchten brauchen. Für den das Verfahren in Stuttgart, einige der Verurteilten sind in die Revision gegangen, wird es eine Katastrophe werden. Ein Kronzeuge der sich mit einem der Hauptbeschuldigten trifft, der ist wertlos. Die Frage ist lediglich wer wieviel und was dafür bezahlte.
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