In einem der umstrittensten Hotels von Montenegro treffen sich derzeit europäische Top-Kriminalisten von Interpol. Auch die Führungselite des BKA ist anwesend. Und alle schmeicheln Montenegros Ministerpräsidenten. Ich schaue von außen zu.
Seit gestern, also dem 25. Mai 2010, findet in Becici die 39. Europäische Regionalkonferenz von Interpol statt. Hermetisch abgesichert, im Hotel Splendid, in dem auch einer der wichtigsten montenegrinischen Mafiabosse häufig abzusteigen beliebt. Bis heute kann niemand genau sagen woher das Geld zum Bau der monumentalen Hotelanlage gekommen ist. So wie es bei vielen der benachbarten Hotelburgen der Fall ist. Und die Konferenz, mit dem BKA, findet in einem Land statt, in dem - wie zuletzt bei den Kommunalwahlen - Stimmen gefälscht und gekauft wurden.
Im Juni 2005 explodierten am Hotel, das gerade den Besitzer gewechselt hatte und Erweiterungsbauten (ohne Genehmigung- versteht sich) gemacht wurden, drei Sprengsätze. Bis heute will niemand wissen wer dafür verantwortlich war. Vermutet wurde, dass es um Schutzgelderpressung und verdächtige Geldtransfers ging. 2004 wurde das Hotel an die russisch-montenegrische Firma "Montenegro Stars Hotels Group" für 2,4 Millionen Euro verkauft. Besitzer sei, so die aufmerksame Journalisten aus Montenegro, ein Viktor Ivanjenko, der bereits 1970 dem KGB zu Diensten war. 1993 wechselte er zu Yukos und wurde dort Vizepräsident des Ölgiganten.
Und nicht weit von diesem tollen Hotel entfernt, in Sichtweise, wohnt derzeit Darko Saric völlig unbehelligt, ein mit internationalem Haftbefehl europaweit gesuchter Top-Drogenhändler auf der Insel Sveti Stefan. Denn er wird vom Ministerpräsidenten Djukanovic geschützt, der bei der Interpol-Tagung anwesend war.
Der Spiegel schrieb am 15. Februar 2010: "Darko Saric wird wegen Drogenschmuggels im ganz großen Stil per Haftbefehl gesucht. Er soll eine Milliarde Euro im Jahr gescheffelt haben - durch den Drogenhandel." Dieses Geld habe der von Serbien mit internationalem Haftbefehl gesuchte mutmaßliche Drogenboß in Sportvereinen, mit Hotels, Discotheken und Gaststätten sowie bei der privatisierung von Staatsbetrieben 'gewaschen'". Und das insbesondere in Montenegro. Übrigens in einer Fussballmannschaft, die künftig im europäischen Fußballbusiness auftreten wird.

Sarkic konnte von seinem Haus auf der Insel Sveti Stefan zum Hotel Splendid schauen. Dort hielt am Mittwoch vormittag nicht nur der Ministerpräsident von Montenegro eine schöne Rede, freute sich darüber, dass die Interpol-Tagung gerade in seinem schönen sauberen Land stattfindet. Auch der Interpol-Chef Khoo Boon Hui war erfreut: "Once again, my heartfelt appreciation to our Montenegrin hosts for the wonderful conference arrangements in such a delightful setting. I wish you a fruitful conference and a pleasant stay. Thank you." Ist es Dummheit oder Anbiederung? Auf jeden Fall klatschten danach auch die Hände der BKA-Führungsriege.

Heute geht die Konferenz weiter. Bei dem schönen Wetter im Anzug herumzulaufen, während schwerreiche russische Gäste am Swimming-Pool sitzen und Wodka bechern, muß schon ein blödes Gefühl sein.
Und natürlich fährt auch niemand aus der BKA-Delegation, an der Spitze der Präsident, der gestern am frühen Abend mit dem Hubschrauber einschwebte, ins nicht weit entfernte Budva, wo derzeit besonders viele Luxusjachten anlegen - der Drogenschmuggel ist halt die wichtigste Einnahmequelle von Montenegro. Und das will man auch zeigen.
Im Hotel Splendid wird unter anderem über den Kampf gegen die Drogenmafia beraten. Dabei, so eingeweihte unabhängige Journalisten und politische Beobachter, wäre es eigentlich notwendig nicht nur den Drogenboß Saric und andere in Monenegro lebende Top-Mafiosi endlich hinter Gitter zu bringen, sondern den Ministerpräsidenten selbst. Auf jeden Fall bevor Montenegro der EU beitritt. Und der Beitritt ist notwendig, um die junge Zivilgesellschaft in Montenegro zu fördern. Die will nämlich strukturelle Veränderungen. Und das geht nur ohne die Mafiosi in Montenegro die heute noch das Sagen haben.
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das verstehe ich nicht