In Italien ist es ein großer Skandal - wie ein Senator der Berlusconi-Partei mit Hilfe der Ndrangetha nicht nur Milliarden Euro gewaschen, sondern auch Wahlstimmen mit Hilfe der Ndrangheta in Deutschland fälschte.
Bekannt ist, dass der Senator Nicola Di Girolamo mit tatkräftiger Unterstützung der Ndrangheta in einem Auslandswahlkreis in Brüssel gewählt wurde. Ein Foto zeigt ihn mit einem Ndrangheta-Boss namens Franco Pugliese. Und es gibt Telefonprotokolle, die auf Verbindungen nach Deutschland, insbesondere Stuttgart und Umgebung schließen lassen.
Denn hier sollen im Jahr 2008 Mitglieder eines kalabrischen Clans ihren Landsleuten 1700 Stimmzettel für die Briefwahl zur Wahl des Senats 2008 abgekauft haben, „um sie zu fälschen und einen „Vertrauensmann in den italienischen Senat zu bringen“, meldete die Stuttgarter Zeitung am 26. Februar 2009. Die Stimmen waren für den Unternehmer und Senator Nicola Di Girolamo von der Berlusconi-Partei Volk der Freiheit bestimmt. In den italienischen Medien kann man den Senator auf einem Foto sehen, wo er freundlich den ‘Ndrangheta-Boss Franco Pugliese umarmt, ein Mitglied des kalabrischen Arena-Clans. Und von dort führen die weiteren Wege zum Farao-Clan.
Der kalabresische Wahlhelfer Giovanne Gabriel ist mit Franco Pugliese verschwägert, der zum Ndrangheta-Clan Arena aus Isola Capo Rizzuto in der Provinz Crotone gehört. Die Tochter von Pugliese, Mery, ist die Lebensgefährtin von Fabrizio Arena. Dessen Vater Carmine, einer der wichtigsten Wortführer des Mafia-Clans, 2004 umgebracht wurde 2004 durch einen Bazooka-Raketenschuss getötet. Und Vittoria Pugliese, die Schwester von Franco, war die Ehefrau von Pasquale Nicoscia. Auch der wurde 2004 ermordet. Diese Aussagen decken sich mit den Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes. Sie zeigen, dass der Clan Farao in der Zwischenzeit eng mit dem Clan Arena zusammenarbeitet: „
Seit Anfang 2008 soll sich der Clan Farao mit den historischen Clans Arena und Megna verbündet haben, um gegen den Clan Grande Aracri vorzugehen, der mit aller Gewalt die Vormachtstellung in Crotone erlangen will.“ Und auch ein Franco Pugliese wird in dem BKA-Analysebericht vom November 2008 genannt, obwohl er beim BKA mit einem anderen Geburtsdatum als in der italienischen Presse angegeben wird.
„Er reiste am 24.6.77 erstmals nach Deutschland ein und war ab dem 1.6.1995 für Waiblingen gemeldet. Er ist laut der italienischen Behörden Mitglied des Clans Farao. Er hat in Italien Vorstrafen wegen gemeinschaftlihen Glücksspiels und Hehlerei. Gegen ihn ist ebenfalls ein Straverfahren der D.D.A. Catanzaro wegen Bildung einer mafiosen Vereinigung anhängig. Laut Mittelung es LKA Stuttgart wr er Betreiber von vier Gaststätten. Er hat umfangreiche Erkenntnisse u.a. wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, illegalen Glücksspiels und Schutzgelderpressung.“ So gesehen passt, bis auf das Geburtsdatum vieles zu dem Franco Pugliese, der heute anscheinend dem Arena-Clan dient.
Diesen Pugliese findet man übrigens auch in den Akten der Operation Galassio aus dem Jahr 1996. Damals wurde gegen den Farao-Clan ermittelt. Dort ist folgendes zu lesen: PUGLIESE FRANCESCO.
Er ist Eigentümer der folgenden Lokale...
-Pizzeria "calabria", in Stuttgart gelegen. Die besagte Pizzeria wurde am 01.02.1992 eröffnet, es wurde eine Kaution in Höhe von 20.000 DM gezahlt und eine monatliche Miete von 5.493 DM;
-Pizzeria "Gaststätte" (Bier Pub), in Waiblingen gelegne, Max-Kurzestrasse,
sie wurde am 01.11.1992 eröffnet, mit einer Kaution von 15.000 DM und einer Monatsmiete von 2.885 DM;
-Pizzeria "Pilsbrunnen" in Waiblingen, Max-Eythstrasse, eröffnet am 01.02.1993 mit einer Kaution in Höhe von 15.000 DM und einer Monatsmiete von 4.425 DM (ca. 4,5 Millionen Lire); Es wird überdies angenommen, dass Francesco Pugliese zu der Zeit, in welcher er die Gaststätten erwarb, im Laufe weniger Monate eine Gesamtsumme von 50.000 DM für die Kaution dreier Betriebe monatlich eine Summe in Höhe von 12.803 DM ausgab, um die Miete der drei Lokale zu bezahlen.
Man muss bedenken, dass zur damaligen Zeit in Deutschland ein gewöhnlicher Bürger, der die Nutzung eines Lokals zum öffentlichen Gebrauch erwarb, über die normale Kaution hinaus, welche normalerweise circa 20.000 DM betrug, eine weitere Summe schwarz in der Höhe von 100.000 DM zahlen musste, je nach strategischer Lage des Lokals.
Am beunruhigendsten ist jedenfalls, dass zu der Zeit, in der Franco PUGLIESE dieses besagte finanzielle Geschäft bei der RaiffeisenBank von Waiblingen abwickelte, wo er das Girokonto mit der Nummer 1068008 eröffnet hatte, mit 25.000 DM im Minus stand!
An diesem Punkt erscheint es offensichtlich, dass Franco PUGLIESE die Rolle des Strohmanns auf Rechnung des Mafiaclans erreicht hatte. Nicht durch Zufall, gestützt auf deutsche Polizeiangaben, ging Giuseppe FARAO am 09.09.1990 nach Deutschland und traf sich mit den Inhabern der Pizzerien des Mafiaclans, welche sind:
Cataldo G. ,Pugliese Francesco und Mario. Das Treffen fand in der Pizzeria von Mario statt. Es handelt sich um Aktivitäten, die, deutschen Polizeiangaben zufolge, keinen großen Umsatz hatten und die offensichtlich dem Zweck der Geldwäscheaktivität dienen und um eine Verschleierung zu schaffen für die Kapitalflüsse, die der Clan mit allen geschaffenen illegalen Aktivitäten einnimmt.“
Soweit zum Hintergrund der Aktivitäten der Ndrangheta im Raum Baden-Württemberg aus historischer Sichtweise. Um nun wieder auf die Wahlfälschungen zurückzukommen.
Wir schreiben das Jahr 2008. Über 1000 Stimmzettel, die von den Männern der Ndrangheta in Deutschland eingesammelt und gefälscht wurden, sind für den Senator abgegeben worden. Nun wartet man in Rom auf das Wahlergebnis, um mit dem wiedergewählten Senator gemeinsam den Sieg zu feiern.
In der darauffolgenden Unterhaltung zwischen Roberto Macori, der noch in Deutschland ist und Gennaro Mokbel, wird eine Größe aus dem Gastgewerbe (von der italienischen Staatsanwaltschaft als Mario identifiziert) angedeutet. Er sei zwar aus einer anderen Gegend, aber vom gleichen Niveau wie Franco Pugliese. Roberto Macori «In Stuttgart feiert man weil außerdem dieser Herr der Giovanni hierher geschickt hat dort hunderte von Restaurants besitzt». Gennaro Mokbel .: «Sag bloß, hunderte von Restaurants?» Roberto Macori: «146 um genau zu sein». Gemeint war hiermit Franco Pugliese, wobei der Besitz von 146 Restaurants in Deutschland etwas schwer übertrieben scheint. Gennaro Mokbel: «Ach du Scheiße!». Roberto Macori.: «Eh, du hast es begriffen... und außerdem hätte er Freude... weil er einer ist, der mit dem Minister umhergeht, mit ... der Mannschaft von... kurz gesagt, er würde uns noch mehr verschaffen... also der Senator müsste dort sein».
Soweit die mitgehörten Telefongespräche. Jetzt müsste eigentlich das Landeskriminalamt in Stuttgaart ermitteln was es genau mit den Verbindungen auf sich hat, insbesondere wer denn der Minister und seine Mannschaft in Stuttgart sei. Eigentlich könnte es sich nur um den damaligen Ministerpräsidenten Oettinger handeln. Denn er ist der einzige hohe Politiker, der Anfang der neunziger Jahre mit Mario eine Duzfreundschaft hatte, sich aber seit 1994 nicht mehr mit ihm getroffen haben soll.
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