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München, Liechtenstein und der Oligarch Igor Makarov

erstellt von Jürgen Roth at 07.05.2009 14:55 |

Was haben luxuriöse Immobilien in München mit russischen Oligarchen zu tun? Viel, wird gemunkelt. Daher die folgende Geschichte: Jeder kennt bekanntlich den russischen Energiekonzern Gazprom und viele auch Putin-Freund Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Über sein aufregendes Verhältnis zu Gazprom wie zu Wladimir Putin ist bereits alles gesagt. Doch wer kennt den Mann, der im russischen Gasgeschäft auch keine unbedeutende Figur ist – Igor Witaliewitsch Makarow, einer der bekanntesten russischen Oligarchen? Er ist Besitzer des 1992 gegründeten Unternehmens Itera International Energy LLC und darf sich zum inneren Zirkel von Wladimir Putins Truppen zählen, die den Vorteil genießt, vor belastenden juristischen Problemen geschützt zu sein.

München, Liechtenstein und der Oligarch Igor Makarov

Der umstrittene Oligarch Igor Makarow

Im Jahr 2006 unterzeichnete Igor Makarow, laut eigenen Angaben, ein Kooperationsabkommen mit Alexey Miller, dem damaligen Gazprom-Chef. Aber nicht nur im lukrativen Erdgasgeschäft ist Makarov aktiv, sondern auch im Ölsektor. Er ist also ein Mann mit bedeutendem wirtschaftlichen und politischen Einfluss. Einst, zu Sowjetzeiten, war er ein bekannter Rennradsportler. Westliche Nachrichtendienste stellen die Behauptung auf, er sei damals als inoffizieller Mitarbeiter des KGB „informativ in der Schattenwirtschaft“ tätig gewesen. Ein Gerücht  ist es. 
Heute ist er jedenfalls steinreich, ein erfolgreicher Unternehmer also. Doch einer seiner ehemaligen europäischen Repräsentanten, der in St. Gallen residierende Anwalt Urs Weber,  der Aktenanteile an Itera hielt, ist ihm nicht mehr gut gesonnen. Er beschuldigte Makarow fünf Verträge mit off-shore Unternehmen gefälscht zu haben, die er für seine privaten Geschäfte einsetzte. Von Kick-back ist die Rede. Das sagte er zumindest am 6. März 2008 vor einem Schweizer Gericht aus. Makarow bestreitet diesen Vorwurf. Die italienische Zeitung La Republica meldete außerdem, dass die italienische Polizei ihn ins Visier genommen habe, weil er Immobilien in Italien gekauft und dazu Kapital eingesetzt haben soll, dass über Liechtenstein gewaschen wurde. In Italien soll auch untersucht werden, ob es mögliche Verbindungen zur Cosa Nostra gibt. Das hängt mit einer delikaten Angelegenheit zusammen. Der Hintergrund ist der, dass ein Teil der Gaspipelines in Sizilien der Cosa Nostra gehörte und zwar dem Boss der Bosse, Bernardo Provenzano. Provenzano sitzt inzwischen im Gefängnis und wird es wahrscheinlich lebend nicht mehr verlassen. Seine Freunde jedoch agierten weiter im Gasgeschäft.
Im Jahr 2005 habe Igor Makarow, laut italienischen Zeitungsmeldungen, Massimo Ciancimino,  den Sohn eines berüchtigten Paten der Cosa Nostra aus Palermo, in Cortina d’Ampezzo getroffen. Dabei ging es um den Kauf von Erdgas aus Kasachstan. Makarow dementierte. Er habe sich nie mit Massimo Ciancimino getroffen, bestätigte jedoch, dass er damals tatsächlich im Wintersportort Cortina d’Ampezzo weilte. Auch mit Gasprom habe es einen Schriftverkehr gegeben. Gasprom bestreitet das. All das bedarf noch einer Klärung.  Im Jahr 2007 fand, nach zuverlässigen amerikanischen Quellen, im Itera Hauptquartier in Jacksonville, Florida, eine vom FBI initiierte Hausdurchsuchung statt. Dabei wurden zahlreiche Unterlagen sichergestellt. Das FBI untersuchte seine Aktivitäten in den USA und seine Verbindungen zum US-Kongressabgeordneten Kurt Weldon.  Den soll er unterstützt haben, damit er sich für die Interessen von Itera in den USA einsetzt. Das Ergebnis ist nicht bekannt. Tatsache ist jedenfalls, dass der russische Oligarch irgendwie an einer Vielzahl von Unternehmen beteiligt ist, mit Sitz  in den berühmt-berüchtigten Steuerparadiesen. Das geht aus mir vorliegenden Unterlagen hervor, die ich aus den USA erhalten habe.

Von diesen Steueroasen ist jedenfalls viel Kapital nach Deutschland  und Österreich geflossen. Und wie funktioniere das? Da gibt es in Berlin seit dem 14. Mai 2007 die Avezzano Trading und Leasing GmbH. Sie beschäftigt sich, laut Handelsregisterauszug  (HRB 110002 Berlin-Charlottenburg), mit dem An- und Verkauf und Handel  mit Waren aller Art, insbesondere Kraftfahrzeugen. Als Mitarbeiterzahl ist eine einzige Person eingetragen. Diese GmbH wiederum ist eine hundertprozentige Tochter der Avezzano Trading Limited in Cypern. Die Avezzano Trading Limited in Cypern hat darüber hinaus diverse Immobilienbeteiligungsgesellschaften gegründet: Sexta-Immobilienbeteiligungs s.a.r.l mit Sitz in Luxemburg, ebenfalls die Septima, – Octava, - Nona, - Decima Immobilienbeteiligungs s.a.r.l, alle mit Sitz in Luxemburg.
Und über die Geosol Iberica Holding GmbH in Deutschland, die ebenfalls als Dach die Avezzano Trading Limited Zypern hat, werden die Unternehmen Prima -, Secunda-, Quarta -und Quinta Immobilienbeteiligungsanstalt mit Sitz in Liechtenstein gehalten. Das Unternehmen Geosol schreibt in einer Presseerklärung von  23.05.2007: „GEOSOL baut weitere Solarstromkraftwerke in Spanien GEOSOL und Endesa Ingeniería unterzeichen Rahmenvertrag Die zur internationalen Unternehmensgruppe GEOSOL gehörende GEOSOL Ibérica Holding mit Sitz in Berlin und die spanische Endesa Ingeniería haben heute in Sevilla den Grundstein für eine erfolgreiche Zusammenarbeit beim Bau von Solarstromkraftwerken in Spanien gelegt. Die Geschäftsführer beider Unternehmen unterzeichneten eine Rahmenvereinbarung über die gemeinsame Errichtung von Solarstromkraftwerken mit einem Auftragsvolumen von mehr als 100 Millionen Euro.“
Was verbindet nun all diese einzelnen Unternehmen, abgesehen davon das im Hintergrund Makarow die Fäden zieht? Sie haben sich in München in das Palazzo Klenze eingekauft. Dabei geht es um insgesamt 12 Millionen Euro. Nicht schlecht. Hinzu kommen ein Penthouse-Appartment und vier Parkgaragen in der Münchner Toplage, in der Theresiastrasse 25, gehalten von der Igitur Anstalt. Wert 4 Millionen US-Dollar.
 In Bayern war bislang nicht ganz klar, wer der wahre Geldgeber für diese millionenschwere Immobilie war.  Und an den umstrittenen russischen Oligarchen Makarow hat wahrscheinlich kaum jemand gedacht. Für das noble Anwesen Palazzo Klenze wird übrigens auf der Webseite www.lenbach-garten.de mit folgenden Attributen geworben: „Das großbürgerliche Wohnen in München ist seit der Zeit der bayerischen Könige geprägt von Komfort und Großzügigkeit. In dieser Tradition stehen auch die neun modernen Wohnungen im Klenze Palazzo am Meiserhof Mit hochwerten Materialien ausgestattet und bei Raumhöhen von drei Metern leben die königlichen Zeiten geradezu wieder auf.“
In Österreich wurde im schicken Kurot Baden, über die Visitor Stiftung (Visato Foundation) in Liechtenstein, eine Immobilie in der Germergasse im Wert von 1,9 Millionen Euro gekauft.
Da sieht man doch wie profitabel das russische Erdgas- und Erdölgeschäft ist, was aus dem Unternehmen Itera so herauszuholen ist. Die Endabnehmer zahlen das gerne, auch den Luxus der russischen Oligarchen, die in Deutschland investieren. Der folgende Film von Lutz Hachmeister in ARTE gibt einen kleinen Einblick in dieses bizarre Milieu.

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