Es war vorauszusehen, dass es Verbindungen zwischen Mario L. aus Stuttgart und dem Ndrangheta-Boss Franco Pugliese gibt. Franco Pugliese gibt das selbst zu.
Inzwischen wurde in der itallienischen Zeitung La Repubblica ein weiterer Mitschnitt von Telefongesprächen zwischen dem korrupten italienischen Senator Di Girolamo und seinen Hilfstruppen der Ndrangheta veröffentlicht. Und in Österreich hat die Zeitschrift Profil den einzigen bedeutenden Beitrag zu den Hintergründen im deutschsprachigen Raum veröffentlicht. Viel wichtiger noch ist, was Franco Pugliese selbst in einem Brief schreibt, den die Zeitung Gazzetta del Sud veröffentlicht hat. Ja, er war bei Mario L. in Mandatoriccio und hat ihn um Unterstützung gebeten. Aber warum hört man darüber nichts beim LKA in Stuttgart. Ist die Angelegenheit politisch zu brisant?

Das ist links Franco Pugliese und rechts der ehrenwerte Senator. In der Zeitung Gazzetta del Sud vom 9. März 2010 (http://www.gazzettadelsud.it/NotiziaGiornale.aspx?art=60624&Edizione=1&A=20100309) ist folgendes zu lesen was die Verbindungen nach Deutschland und zu Mario L. erstmals dokumentiert:
"Es ist so" – fährt Franco Pugliese fort – "in den Tagen des März 2008 bin ich in Isola angekommen, wo wir ein Treffen hatten". Pugliese präzisiert, dass bei diesem ersten Zusammentreffen, welches sich in einem Hotel in Isola abgespielt hat und später im Sitz der Pdl ( der Berlusconi-Partei), J.R.) fortgesetzt wurde, in dem man darüber sprach, wie man einen Wahl-Beitrag für Di Girolamo außerhalb Italiens leisten könne, viele Vertreter der Pdl von Isola, und nicht nur von dieser Partei, anwesend waren, deren Namen er nennt.
Dann erzählt er von einem seiner Besuche in Mandatoriccio bei dem Gastwirt Mario L. (von dem in einigen abgehörten Gesprächen gesprochen wird), Freund und Bekannter von Giovanni Gabriele (auch dieser festgenommen wegen denselben Straftaten, die Pugliese vorgeworfen werden).
Pugliese führt mit der Mitteilung fort, dass er Mario L., der in Deutschland Restaurants hatte oder gehabt hatte, fragte, «ob er einige seiner Dorfbewohner treffen könne, um diesen Anwalt Di Girolamo zu wählen, den Freund des Anwaltes Colosimo». Der Gastwirt hätte, der Darstellung Pugliese zufolge, nachdem er geantwortet hat, mit dem Restaurant beschäftigt zu sein, dennoch die Hilfe eines Freundes zugesichert, welcher seit kurzem in Deutschland lebe. «Sie haben sich geeinigt –schreibt Pugliese weiter – mit einem gewissen Roberto loszuziehen und anschließend hat niemand von uns Kontakt zu ihnen in Deutschland gehabt. Wir haben uns wieder getroffen, als sie uns angerufen und gesagt haben, dass sie gewonnen hätten und dass sie ein Fest organisiert haben, zu dem wir gegangen sind (...) und wir sind zwei bis drei Tage lang von der Partei bewirtet worden».
Auf jenes Fest in Deutschland folgte das weitere, das sich in Isola Capo Rizzuto zutrug, verewigt auf den Fotos, die von den nationalen und lokalen Zeitungen veröffentlich wurden. «Auf dem Fest von Isola"– betont Franco Pugliese des weiteren in seiner Darstellung – "waren 50 Personen, der Fotograf, und kein einziger Zusammenhang zur Familie Arena".
Und hier der Mitschnitt des Telefongesprächs laut La Repubblica vom 6. März 2010 der erst im Zusammenhang mit der Aussage von Franco Pugliese, der übrigens bestreitet mit der Ndrangheta irgendetwas zu tun zu haben, politischen Sprengstoff enthält:
"Das Telefonat mit dem Clan-Chef Franco Pugliese. Marcori ruft am 12. April Gabriele an und reicht ihn weiter an Franco Pugliese, den Bezugspunkt der 'Ndrangheta in Deutschland. Dieser bringt seine Dankbarkeit und die der "Freunde" zum Ausdruck: "Ich danke dir. Der Senator, der hier anwesend ist, der Anwalt Paolo Colosimo und alle Freunde... Wirklich, danke für das was du gemacht hast." Dann reicht Pugliese das Telefon an Di Girolamo weiter, welcher, nachdem er sich bedankt hat, verspricht, zu ihm nach Deutschland zu kommen, um ihn zu treffen, "als Neugewählter". Die Bestätigung der Wahlergebnisse kommt am 16. April. Colosimo gratuliert Di Girolamo und fragt, ob er ihre "Freunde" in Kenntnis setzen darf."
Und das ist der Bericht der Zeitschrift Profil, der die wahren Hintergründe aufzeigt:
Affäre. Wien als Dreh- und Angelpunkt eines italienischen Geldwäscheskandals
Im größten
Geldwäscheskandal der italienischen Geschichte war Wien
finanzieller Dreh- und Angelpunkt. Aus den geheimen Untersuchungsberichten der
Staatsanwaltschaft Rom geht hervor: In den Jahren von 2005 bis 2007 sind über
Tarngesellschaften und Bankkonten in Österreich zwei Milliarden Euro geflossen,
die aus Geschäften der Mafia stammen sollen.
Von Gunther Müller und Josef Redl
Carlo Focarelli
hat Spuren hinterlassen. Der italienische Unternehmer bezahlte am 1. Dezember
2005 mit seiner American-Express-Kreditkarte mit der Nummer 3752 812382 75005
drei Tickets für den AUA-Flug von Wien nach Rom. Es waren wichtige Geschäfte,
die Focarelli und seine beiden Begleiter, Manlio Denaro und Ricardo Scoponi –
ebenfalls italienische Staatsbürger – nach Wien geführt hatten. Geschäfte, bei
denen schließlich mehr als zwei Milliarden Euro im Kreis geschickt werden
sollten. Geschäfte, mit denen sich jetzt die Staatsanwaltschaft Rom intensiv
befasst.
Focarelli und seine beiden Partner stehen im Verdacht, eine zentrale Rolle im
bisher größten bekannten Fall von Geldwäsche der italienischen Geschichte
gespielt zu haben. Dies geht aus der profil exklusiv vorliegenden
Anklageschrift der italienischen Strafverfolgungsbehörden hervor. Das rund 1600
Seiten umfassende Dossier bildet die Grundlage für einen Kriminalfall, der die
Republik Italien in ihren Grundfesten erschüttert.
Die Staatsanwaltschaft Rom sieht es als erwiesen an, dass die kalabrische Mafia
Gelder in der Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro gewaschen und dabei noch
den Fiskus um 365 Millionen betrogen hat. Das komplizierte Karussellspiel des
organisierten Verbrechens, an dem sich auch die beiden Telekom-Konzerne Fastweb
und Telecom Italia Sparkle (TIS) bereicherten, soll sich vorwiegend in Wien
gedreht haben: Den Ermittlern zufolge wurde der Großteil des Gelds zwischen
2005 und 2007 über insgesamt 14 Konten bei drei österreichischen Banken geschleust:
Bank Austria Creditanstalt (heute: UniCredit Bank Austria), Anglo Irish Bank
Austria und Raiffeisen Zentralbank. Die Staatsanwaltschaft Rom hat Anklage wegen
des Verdachts auf Geldwäsche gegen mehr als 60 Personen, darunter Politiker,
Anwälte und Fastweb-Gründer Silvio Scaglia, erhoben. Auch die
Staatsanwaltschaft Wien hat bereits Ermittlungen wegen des Verdachts auf
Geldwäsche aufgenommen.
Sie tragen Spitznamen wie „giraffa“ (die Giraffe), „puzzola“ (das Stinktier)
oder „bonzo“ (der Bonze), und sie gehören einer Gesellschaft an, mit der nicht
zu spaßen ist. Es ist eine Verbrecherbande, die aus rund
80 Personen besteht, „beste Kontakte zur Politik, Polizei, Justizbehörde und
italienischen Konzernen“ pflegt und mit dem „Clan der Familie Arena der
kalabrischen Mafia ’Ndrangheta zusammenarbeitet“, wie es wörtlich in der
Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Rom heißt. Die ’Ndrangheta gilt als die
mächtigste Mafiaorganisation Italiens. Geschätzter Jahresumsatz aus ihren
internationalen Drogen-, Waffen-, Menschenhandel- und Geldwäschegeschäften: 40
Milliarden Euro.
Unbestrittener Anführer der 80-köpfigen Gruppe, die für die Mafia aktiv gewesen
sein soll, ist laut Staatsanwaltschaft ein gewisser Gennaro Mokbel. Der
Geschäftsmann ist Gründer einer rechtsextremen Bewegung namens Alleanza
Federalista und gilt als „erpresserisch und gewalttätig“. In seiner Luxussuite
in Rom fand die Polizei kürzlich bei einer Hausdurchsuchung eine Kunstsammlung
von beachtlichem Wert sowie faschistische Devotionalien wie Hitler- und
Goebbels-Porträts und Büsten von Mussolini. Mokbels wichtigste Adjutanten in
diesem Wirtschaftskrimi waren laut Ermittlungsakten Augusto Murri, ein
Unternehmer, der vorwiegend in Afrika und Panama residierte und bereits in
einen Mordprozess verwickelt war; Carlo „das Stinktier“ Focarelli, laut
Staatsanwaltschaft Rom „zentraler Organisator“ des Geldwäscherings; der Anwalt
Paolo Colosimo, die Unternehmer Manlio Denaro, Aurelio „der Bonze“ Gionta und
Dario „die Giraffe“ Panozzo – alle mittlerweile inhaftiert. Für alle
Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Überwachung. Die italienische Justiz hat dutzende Treffen und Telefonate
der Bande abgehört und genauestens dokumentiert. In dem Dossier der
italienischen Behörden sind Fotos von Treffen in noblen Restaurants zu sehen,
bei denen Geldübergaben in Louis-Vuitton-Taschen vorgenommen wurden. Ein
Beispiel: In den Abendstunden des 17. Mai 2007 ruft Dario Panozzo den
Unternehmer Augusto Murri von einer Telefonzelle aus an – zu einem Zeitpunkt,
da die Geschäfte der Bande bereits aufgeflogen sind:
Panozzo: Sie haben gesagt, dass du jetzt wieder mit Gennaro (Mokbel, Anm.)
Kontakt hattest. Er war mit vier Typen zusammen, die alle Pistolen haben.
Murri: Ja, das soll mir Angst machen, ich hab verstanden.
Panozzo: Ja, sicher, sicher. Er hat gesagt dass er schon 120.000 Euro
ausgegeben hat, dass er dich umlegen wird, Ciccio! Seit wann kennt ihr euch?
Murri: Seit Langem.
Panozzo: Er hat gesagt: „Ich habe zehn Morde auf meinem Konto, aber sie haben
mich nie erwischt“ …
Panozzo: Nimm jetzt einen verdammten Flieger und fahr weg … diese Sache wird
schon wieder.
Murri: Ja, ja, aber die Sache wird nicht vergehen.
In Untersuchungshaft sitzt mittlerweile auch der zurückgetretene italienische
Senator Nicola di Girolamo von der Berlusconi-Partei Volk der Freiheit. Er soll
der Verbindungsmann der ’Ndrangheta in die Politik gewesen sein. Mehr noch: Di
Girolamo, der in Belgien und Deutschland von dort ansässigen Italienern in
einen so genannten Auslandswahlkreis gewählt wurde, verdankt dies wohl in
erster Linie der kalabrischen Mafia. Sie soll einige Wähler massiv unter Druck
gesetzt und bei anderen leere Stimmzettel eingesammelt, dann ausgefüllt und an
das Konsulat übergeben haben. „Die ’Ndrangheta sitzt im Parlament“, formuliert
es ein Ermittler. Das Wochenmagazin „Espresso“ veröffentlichte kürzlich ein
Foto, das di Girolamo Arm in Arm mit einem Boss der Mafiaorganisation
’Ndrangheta zeigt. Vergangene Woche trat di Girolamo von seiner politischen
Funktion zurück.
Kurz: Es ist eine illustre Runde, die dieser Tage im römischen
Stadtgefängnis Regina Coeli intensiv von der italienischen Justiz einvernommen
wird. Angesichts der gewaltigen Summen, die weißgewaschen wurden, und der
Vernetzung der Verbrecherbande bis hinauf zu höchsten staatlichen Organen
sprechen italienische Behörden schon jetzt vom „größten Betrugsskandal“ der
Geschichte des Landes.
Freitag vorvergangener Woche wurden die Ermittlungen auch auf jene Verdächtigen
ausgeweitet, die den Geldwäscheskandal überhaupt erst ermöglicht haben sollen.
Das ist neben einigen Vorständen der Telecom Italia vor allem Silvio Scaglia,
Gründer und Ex-Vorstandschef des Telelom-Konzerns Fastweb. Scaglia hat seine
Anteile an Fastweb 2007 an den verstaatlichten Schweizer Telekom-Konzern
Swisscom verkauft, sitzt aber immer noch im Verwaltungsrat des Unternehmens.
Auch er befindet sich jetzt in Untersuchungshaft.
Vor den Ermittlern hat Scaglia seine Unschuld beteuert und erklärt, dass
Fastweb in dieser Affäre „keine Verantwortung trägt, sondern ein Opfer ist“,
sagte Scaglias Rechtsanwältin. Seine Unschuld zu beweisen wird schwer sein
angesichts der Beweise der Staatsanwaltschaft Rom. Denn wie kann der Vorstand
eines Unternehmens nicht bemerkt haben, dass sein Konzern über Jahre hinweg
aktiver Teil eines perfide ausgetüftelten Geldwäsche- und Betrugssystems war?
Eines Systems, das laut Staatsanwaltschaft Rom – vereinfacht gesagt – so
funktionierte: Über Auslandsgesellschaften wird Mafiageld für fiktive Dienste
an etablierte italienische Telekom-Unternehmen überwiesen. Diese überweisen das
Geld nach Abzug einer Prämie weiter an Briefkastengesellschaften der Mafia, die
ebenfalls erfundene Dienstleistungen verrechnen. Über weitere
Tarngesellschaften, die jeweils einen Anteil abzweigen, wird das Geld
weißgewaschen und am Ende wieder den Großkonzernen zugeführt – dann kann das
Spiel von Neuem beginnen.
Renommierte Partner wie Fastweb und Telecom Italia im Rücken garantierten ein
gewisses Maß an Sicherheit. Zumindest konnten die Strohmänner in den
Briefkastengesellschaften bei Banken und Behörden immer eine plausible
Erklärung für die hohen Zahlungseingänge vorweisen: lukrative Geschäfte mit
zwei der größten Telekommunikationsunternehmen Italiens. Ein paar Dutzend über
die ganze Welt verstreute Gesellschaften, Bankkonten außerhalb Italiens und
zwei mit Vertrauensleuten besetzte Großunternehmen – damit war eine
überzeugende Legende für die Geldwaschmaschine geschaffen, die nach
Erkenntnissen der Ermittler 2003 angeworfen wurde.
Das Schema. Ausgangspunkt für das monetäre Ringelspiel sollen
Gesellschaften im Einflussbereich der ’Ndrangheta gewesen sein – ausgestattet
mit jeder Menge Schwarzgeld aus den Geschäften der Mafia. Erstes Glied in der
Kette war eine Gesellschaft mit dem Namen Acumen, die Niederlassungen im
Vereinigten Königreich (Acumen UK Ltd.) und Finnland (Acumen Europe OY)
unterhielt. Acumen speiste italienische Konten von Fastweb und Telecom Italia
Sparkle mit Schwarzgeld. Offiziell zahlte Acumen für
Telekommunikationsdienstleistungen.
Die Staatsanwaltschaft Rom hat im Rahmen der Operation „Traffico Telefonico“
(Telefonverkehr) die Geldflüsse zwischen April 2005 und Juli 2007 akribisch
nachgezeichnet. Demnach haben Fastweb und TIS alleine in diesem Zeitraum (die
Geldwäscher waren bereits seit 2003 aktiv) die exakte Summe von 2.018.916.030
Euro und 77 Cent weitergegeben – also etwas mehr als zwei Milliarden Euro. Das
Geld wurde auf Konten von zwei Gesellschaften mit Sitz in Italien überwiesen:
I-Globe Srl und Planetarium Srl. Beide Gesellschaften stellten für die
Zahlungen Belege für angeblich geleistete Dienste aus – auf die „Auftragssumme“
wurden dabei noch 19 Prozent Mehrwertsteuer aufgeschlagen. Ab März 2006 sollen
die Zahlungen an I-Globe und Planetarium ausschließlich über Konten in
Österreich gelaufen sein.
Wiener Konten. Dies erklärt die Wien-Reise von Carlo „das Stinktier“
Focarelli, Manlio Denaro und Ricardo Scoponi im Dezember 2005: Sie hatten für
I-Globe ein Konto bei der Raiffeisen Zentralbank (RZB) eröffnet. Auf das Wiener
Konto von I-Globe mit der Nummer 154052493 gingen zwischen März und September
2006 insgesamt 287,93 Millionen Euro von Telecom Italia und Fastweb ein.
Irgendwann im Laufe des Jahres 2006 muss sich auch der Unternehmer Dario „die
Giraffe“ Panozzo in Wien aufgehalten haben. Ihm ist die Gesellschaft
Planetarium Srl zuzuordnen, auf deren RZB-Konto mit der Nummer 154073218 ab
September 2006 die stattliche Summe von insgesamt 858,21 Millionen Euro
überwiesen wurde.
Auch in diesem Fall kam das Geld direkt von Telecom Italia und Fastweb. Die
beiden Gesellschaften mit Bankverbindungen in Wien waren nur Durchlaufposten.
Planetarium und I-Globe blieben nämlich nicht lange auf dem Geld sitzen. Sie
überwiesen es nach Abzug einer kleinen Bearbeitungsgebühr an zwei weitere
Tarngesellschaften mit Sitz in Panama: Broker Management SA und Karelia
Business Group SA. Das Geld blieb allerdings weiterhin in Österreich. Beide
Unternehmen hatten je ein Konto bei der Wiener Niederlassung der Anglo Irish
Bank und bei der Bank Austria. Über die gewaltigen Geldflüsse notieren die
römischen Ermittler: „Weitere Ausgänge von € 318.820.036,00 wurden zwischen
22.9.2006 und 30.4.2007 auf das Konto 52096003504 der Bank Austria
Creditanstalt überwiesen, das auf die Karelia Business Group SA … ausgestellt
ist.“
Die profil vorliegenden Unterlagen der italienischen Behörden zeigen deutlich,
dass Wien Dreh- und Angelpunkt der inkriminierten Geschäfte war. Von den 14
Konten, derer sich die Italiener bedienten, befanden sich nur zwei nicht in
Österreich. Über 14 Tarngesellschaften und deren 14 Konten wurden also den
Behörden zufolge innerhalb von etwa zwei Jahren mehr als zwei Milliarden Euro
geschleust – jeder Cent davon war mindestens einmal in Wien.
Das Resultat: 265,4 Millionen Euro
waren laut Ermittlern im Zahlungsverkehr zwischen den Gesellschaften gewaschen
und bereits aus dem Spiel genommen worden. Ganz nebenbei wurde der italienische
Fiskus um 365 Millionen Euro betrogen: Jede der beteiligten Gesellschaften
hatte nämlich 19 Prozent Mehrwertsteuer verrechnet und sich vom Fiskus später
zurückgeholt. Am Ende des Kreislaufs hatte eine der Gesellschaften einfach
„vergessen“, die Steuer auf den künstlich aufgeblähten Betrag abzuführen.
Die betroffenen österreichischen Banken berufen sich auf das Bankgeheimnis und
wollten zu den konkreten Ermittlungsergebnissen der römischen Justiz keine
Stellungnahme abgeben. „Es gehört in derartigen Fällen zu unserer
Sorgfaltspflicht, auffällige Transaktionen zu prüfen und bei begründetem
Verdacht Geldwäschemeldungen an die Behörde zu machen. Sie können davon
ausgehen, dass wir auch in diesem Fall unseren gesetzlichen Verpflichtungen
nachgekommen sind“, so RZB-Sprecher Andreas Ecker-Nakamura. „Wir können uns zu
konkreten Verfahren nicht äußern, kooperieren aber in jedem Fall mit den
Behörden“, sagt Ernst Traun-Abensperg, Vorstand der Valartis Bank, die den
betroffenen Teil der Anglo Irish Bank 2008 übernommen hat. Laut
profil-Recherchen haben die Banken wegen der Transaktionen ihrer italienischen
Kunden selbst Meldung bei der Geldwäschestelle im Bundeskriminalamt erstattet.
Im Frühherbst 2007 waren nach einem Rechtshilfeersuchen aus Rom auf Anordnung
der Staatsanwaltschaft Wien die verdächtigen Konten bei Anglo Irish Bank, Bank
Austria und RZB geöffnet worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Clique rund um
Gennaro Mokbel längst gewusst, dass ihre Konten in Wien nicht mehr sicher und
teilweise gesperrt waren. Noch heute sollen sich nach profil-Informationen
mehrere Millionen Euro auf eingefrorenen Konten in Österreich befinden. In
einem abgehörten Telefonat zwischen Mokbel und einem den Behörden unbekannten
„Walter“ heißt es:
Mokbel: … dem Anwalt Nicola (Ex-Senator Nicola
di Girolamo, Anm.) haben sie das Konto eingefroren.
Walter: Was, auch in Österreich?
Mokbel: In Österreich haben wir 750.000 Euro seit einem Jahr eingefroren.
Walter: Kann man nichts mehr machen …
Bereits seit Februar 2007 ist in Wien auch ein Verfahren wegen des Verdachts
auf Geldwäsche gegen Dario Panozzo anhängig. Panozzo gilt als einer der
Erfinder jener Konstruktion, über die mehr als zwei Milliarden Euro durch
Österreich geschleust wurden. Zu einer Anklageerhebung gegen „die Giraffe“ in
Österreich wird es so schnell aber nicht kommen.
Die Staatsanwaltschaft Wien wartet seit Jahren auf Beweismaterial aus Rom.
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