Oleg Deripaska ist auch in Europa ein mächtiger Oligarch. Doch wie kam er zu seinem Reichtum?
In einem aufsehenerregenden Urteil, wie nicht anders zu erwarten hat es bisher niemand zur Kenntnis genommen, hat sich die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Stuttgart mit der kriminellen Organisation Ismailovskaja beschäftigt. Zum ersten Mal in Europa wurde diese kriminelle Struktur von einem Gericht ausführlich beleuchtet. Und dabei fällt auch der Name Oleg Deripaska. In meinem Buch "Gangsterwirtschaft" habe ich bereits über Oleg Deripaska und den gescheiterten Opel-Deal berichtet. Jetzt liegt das Urteil, Geschäftsnummer 5 Kls 201 Js 68101/06 vor.
Verurteilt wurden fünf Angeklagte wegen Geldwäsche. Der Hauptangeklagte A.A. hat das Urteil inzwischen akzeptiert. Die anderen vier Angeklagten wollen in die Revision gehen. In dem Gerichtsurteil ist unter anderem zu lesen:
"Die mittlerweile international operierende Gruppierung leitet ihren Namen aus dem nordöstlichen Stadtteil Moskau, Ismajlovo, ab. Dort hatte sie sich bereits vor dem Umbruch des sowjetischen Systems als eine vornehmlich als Räuber agierende Bande gegründet, deren Mitgliedschaft streng an einen Wohnsitz in dem benannten Stadtgebiet gebunden war.
Unter der Führung von Anton Malevski wurde die Gruppierung in den 90iger Jahren überwiegend im Bereich der Privatisierung der Bergbauindustrie von dem russischen Geschäftsmann und Industriemagnaten Michael Chernoy als sogenannte "Schutzgruppe" eingesetzt." Der hatte übrigens in der Vergangenheit gute Geschäftsbeziehungen zur Westdeutschen Landesbank.
Und weiter steht in dem Urteil: "In dieser Zeit begann der Aufstieg der Ismailovska, sie gewann an Mitgliedern und Bedeutung, ihr Führungsstil wurde gestrafft und sie wuchs zu der nach Einschätzung von internationalen Ermittlungsbehörden bedeutsamsten und mächtigsten kriminellen Organisation Russlands heran."
Und jetzt kommt der zentrale Aussage des Gerichts: "Neben ihrer Aufgabe, gewaltsame Übernahmeversuche anderer Organisationen von Michael Chernoi und seinen Partner mit allen, auch illegalen Mitteln, abzuhalten, wurde die im Hintergrund agierende Ismailovskaja dann tätig, wenn Versuche des Michael Chernoy oder seiner Partner, Iskander Makhmoudov und Oleg Deripaska, ein Unternehmen oder Anteils davon auf legale Weise zu übernehmen, gescheitert waren. Als gewalttätiger und bewaffneter Arm des Konsortiums kam es dann zu Drohungen gegenüber Gescchäftsgegnern oder deren Familienangehörigen, zu falschen Anschuldigungen bei Polizeibehörden - ein aufgrund der engen Verwebung der Ismailosvskaja mit Justiz und Politik sehr beliebtes Mittel - zu bewaffneten Besetzungen einzelner Betriebsstätten durch Ismailovskaja-Kämpfer bis hin zur Liquidierung von Gegnern."
Die Beschuldigungen gegen Oleg Deripaska, die insbesondere von dem Kronzeugen Hajdarov vor dem Landgericht erhoben wurde, hatte das Gericht in seinem Urteil als sehr glaubwürdig bezeichnet.
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