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Welche Waffen wurden mit Wissen russischer Regierungsbehörden auf der Arctic Sea transportiert?

erstellt von Jürgen Roth at 03.09.2009 19:45 |
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Die Vermutung wurde schon sehr früh, nach dem Verschwinden der Arctic Sea, geäußert ( ich gehörte dazu) und die offizielle Version von einem Akt der Piraterie konnte kein Experte so recht glauben. Schließlich hat es in der Vergangenheit bereits russische Waffenhändler gegeben, die Rüstungsgüter auf ähnlich undurchsichtige Art und Weise in den Nahen Osten und Afrika geschmuggelt hatten. Einer von ihnen war Victor Bout. Anfang März 2008 wurde er in Bangkog aufgrund eines US-Haftbefehls verhaftet. Jahrelang konnte er, trotz internationalem Haftbefehl, ungehindert agieren. Er hatte den Schutz des FSB und des Kreml. Dort freute man sich auch, als er im August 2009 wieder die Freiheit genießen konnte, weil ein Gericht in Thailand es ablehnte, den Waffenhändler an die USA auszuliefern. Der Jubel wäre noch größer gewesen wenn da nicht die Affäre mit der Arctic Sea für neue Aufregung sorgte.

Bout

Der einstige Offizier der sowjetischen Streitkräfte, hier nach der Entscheidung des Gerichts, wechselte, als seine Kompanie aufgelöst wurde, ins private Business, gründete die Fluggesellschaft "Air Cess", begann mit Waffenlieferungen nach Afghanistan und entdeckte dann den schwarzen Kontinent Afrika. Seitdem stand er in dringendem Verdacht, das UN-Waffenembargo gegen Angola und Sierra Leone gebrochen zu haben. Er operierte lange Zeit unbehindert von Tschechien aus und pflegte beste Kontakte nach Bulgarien."Das Netzwerk von Bout, Afrikas wichtigstem Waffenhändler, beleuchtet die engen Beziehungen, die es wzsichen Bürgerkriegsparteien, dem Geschäft mit Mineralien und der regionalen Abrüstung gibt. Dadurch konnte er auch ungehindert wictige Rohstoffe ie Coltan und Diamanten ausbeuten.Im Gegenzug erhielten die Krieg führenden Parteien die notwenidgen Waffen." (Tim Raeymaekers: Network War- An Introduction to Congo's Privatised War Economie:IPIS-Report, Oktober 2002)

Arctic Sea

 

Und nun die Arctic Sea. Der russische Seefahrtexperte Michail Woitenko hatte in der Vergangenheit auf der Internetseite des Fachdienstes Sovfracht Maritime Bulletin immer wieder über Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dem Verschwinden und angeblichen Auftauchen der Arctic Sea berichtet.

Im angesehenen Informationsdienst russland ru. konnte man folgendes lesen: "Noch am 18. August wunderte sich Michail Woitenko öffentlich, warum der Frachter während des Überfalls keinen Notruf absetzte, wie es den Piraten gelingen konnte, die 15 Handys an Bord "binnen einer Sekunde" auszuschalten und das Schiff unentdeckt mitten durch europäisches Gewässer zu steuern. Gewöhnliche Kriminelle könnten das nicht - zumindest nicht ohne Beteiligung der Besatzung, sagte er. "Ich glaube, den beteiligten Ländern fehlte einfach die Zeit für eine plausible Erklärung - deshalb einigten sie sich, 'dass es in der Familie bleibt'", vermutete Woitenko. “Irgend jemand, irgendwo wollte eine bestimmte Lieferung verhindern. Also wurde denen, die das ganze organisiert hatten, signalisiert, dass sie damit aufhören sollen und daran waren mehrere Staaten beteiligt.”

Am 20. August schrieb Woitenko dann in einer sehr emotionalen Erklärung im „Maritime Bulletin“, dass er froh ist, dass die Besatzung lebt und alles vorbei ist und er nicht mehr weiter über die Geschichte schreiben wird.
Sein Schreiben endet mit dem Satz: "Ich kann nichts sagen über die Wurzeln der Geschichte aber ich plane nicht weiter zu graben --- Ich muss an meine eigene Haut denken. Verstehen Sie es wie Sie möchten"

Augenscheinlich war das nicht genug, gestern floh Woitenko nach Istanbul. In einem Telefongespräch mit der „The Moscow Times“ erklärte er, er sei unter Druck gesetzt worden.
"Einige schwere Jungs haben gestern oder vorgestern mir gegenüber angedeutet in den nächsten drei bis vier Monaten nicht zurückzukehren", so Woitenko aus Istanbul.
Auf die Frage, wer denn die Leute waren, antwortete er: "Raten Sie mal. Ja, es war wegen der Arctic Sea."

Die "Arctic Sea" der finnischen Reederei Solchart war am 23. Juli angeblich mit einer Ladung Holz im Wert von 1,16 Millionen Euro nach Algerien aufgebrochen. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministers Anatoli Serdjukow entführten acht Piraten das Schiff einen Tag nach seinem Auslaufen aus einem finnischen Hafen. Die mysteriöse Fahrt endete am 17. August angeblich vor der Küste der Kapverden, dort brachte die "Ladny" den Frachter auf.

Woitenko sagte gestern Nachmittag, kurz nach seiner Ankunft in Istanbul geflogen: "Ich will hier nicht lange bleiben. Ich werde an einen anderen Ort gehen. "
Woitenko Website veröffentlichte regelmäßig Meldungen über die „Arctic Sea“. Oft auch unter Berufung auf nicht identifizierte Quellen, aber auch Mitarbeitern aus dem russischen Verteidigungsministerium.
In einem Artikel des Time Magazine am Montag wird er mit der Schlagzeile zitiert: “Was Russia’s ‘Hijacked’ Ship Carrying Missiles to the Mideast?”
Bevor Woitenko Chefredakteur des Fachdienstes Sovfracht Maritime Bulletin wurde war er 15 Jahre Seemann und ein „ Fan der Handelsmarine“
Woitenko war der erste, der auf seiner Webseite den offenen Brief der Angehörigen veröffentlichte, mit der Bitte an die russische Regierung eine Untersuchung einzuleiten. und einer der wenigen, der Kontakt zu den Angehörigen der Arctic Sea hielt. Gleich nach dem Erscheinen des Briefes, kam die Anweisung von Präsident Dmitri Medwedew an das Verteidigungsministerium die Arctic Sea zu finden und zu befreien falls es gekidnappt ist.

Mittwoch sagte Woitenko, dass er keinen Kontakt mehr zu den Angehörigen hat. "Die Angehörigen schweigen. Ich muss den Kontakt zu den Angehörigen unterlassen. Es wird schlimmer für sie sein ", sagte er, ohne es näher zu erklären. "Wenn sie der Meinung sind, dass ich etwas Gutes getan, dann können sie mir schreiben und sich bei mir bedanken."
In den letzten Tage stürzte die Seite des Maritime Bulletin mehrmals aus unerklärlichen Gründen ab. Auf der Webseite ist auch ein Forum in dem von Experten und Matrosen über den Arctic Sea Fall diskutiert wird.

Andrei Soldatov, ein Geheimdienstanalytiker, sagte, dass die Einschüchterung die Woitenko beschrieben hat nicht typisch für Geheimdienste ist. Das jemand Druck auf ihn ausübt das Land zu verlassen ist "sehr, sehr seltsam". Geheimdienste würden einfach mit ihm sprechen oder seine Webseite schliessen..
"Die Frage ist: Wer mit ihm gesprochen? Es sieht nicht nach Geheimdienste aus, eher Waffen-Händler, illegale Waffen-Händler oder jemand ähnliches ", sagte Soldatov.

Die acht mutmaßlichen Entführer der Arctic Sea wurden der Piraterie und Entführung angeklagt und warten auf ihren Prozess im Lefortovo Gefängnis. Elf der Matrosen sind wieder zu Hause in Archangelsk. Sie haben sich geweigert, mit Reportern zu sprechen und sagten sarkastisch, dass sie im Bermuda-Dreieck verschwunden waren, wo sie mit Eiskrem von den Piraten versorgt wurden.

Woitenko ist der Meinung, dass die Seeleute zum Schweigen gezwungen werden."

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