WENN MEDIEN ÜBER DIE MAFIA BERICHTEN- DANN ÜBER DIE SOGENANNTE WETTMAFIA
In Spiegel-Online war am 12. Dezember 2009 eine zu schöne Geschichte zu lesen. Demnach verfolge die Polizei eine heiße Spur, hin zu den sogenannten Döner-Morden und im Hintergrund sei die Wettmafia dafür verantwortlich. Toll. Inzwischen, drei Tage nach der sensationell aufgemachten Spiegel-Meldung, die natürlich von vielen Medien zitiert wurde, stellt sich heraus - alles war mehr oder weniger pure Spekulation. Und ich hätte meine Wette gewonnen, über die ich vor einigen Tagen geschrieben hatte.
Geht man einmal davon aus, dass die Überschrift "Spur der Döner-Mörder führt zur Wettmafia" nicht von den drei Journalisten des Spiegel verfasst wurde, die den Artikel schrieben, bleibt bei ihrer Geschichte vieles reine Spekulation. Doch die wurde dafür kräftig aufgeblasen. Zum einen gibt es natürlich keine einzige große Wettmafia. Das Wort Mafia in diesem Zusammenhang ist schon etwas dick aufgetragen. Was nichts daran ändert, dass es sich um hochkarätige orgaisierte Kriminalität handelt.
Spiele, auch im Fussball, werden in der Regel nicht durch eine einzige weltumspannende "Wettmafia" verschoben, sondern durch Vereinspräsidenten der Fussballvereine. Und hier gerade in den osteuropäischen Ländern. Es wäre also viel lohnender, sich einmal die Präsidenten der osteuropäischen Fussballvereine anzuschauen und ihre Verbiindungen zur organisierten Kriminalität. Das gilt für die Ukraine, Russland, Rumänien, Bulgarien, Serbien oder Albaien - um nur einige zu nennen. Und von der Türkei muss man auch nicht reden. Doch eine wie immer geartete Wettmafia bietet eine schönere Schlagzeile als die finanziellen Geldwäscheoperationen über europäische Spieler und Vereinspräsidenten.
Und was die Döner-Morde angeht: Da genügen den drei Journalisten des Spiegel abgehörte Telefongespräche, wonach ein Mord in der Türkei im Zusammenhang mit der bis heute ungeklärten Mordserie (zwischen 2000 und 2006 wurden acht Türken und ein Grieche regelrecht hingerichtet) in Deutschland in Zusammenhang stehen sollen. "Ging es etwa um Wett- oder Spielschulden?" schreibt Spiegel-Online.
Dabei haben die intensiven Ermittlungen der Polizei in der Vergangenheit ergeben, der Spiegel schreibt es wenige Absätze später, dass die Ermordeten weder verschuldet gewesen noch spielsüchtig waren. Das muss dann wieder mit der Frage verbunden werden: "Das die Polizei keine Beweise fand, hat wohl nicht viel zu sagen."
Doch es hat viel zu sagen, weil die Ermittlungen der Kriminalpolizei (und nicht des BKA) in diesen Fällen außerordentlich intensiv und nachhaltig waren. Aber das passt halt nicht in die schöne aufgeblasene Geschichte hinein. Und was hätte die sogenannte Wettmafia (wer immer das sein soll) davon, die Schuldner umzubringen? Da wäre das Geld auf jeden Fall nicht mehr in die Kassen gespült worden. Und sieht man einmal davon ab, dass ein großer Teil der Morde in einem Zeitraum geschahn, als zumindest die Ermittler noch nicht viel über Spiel- und Wettbetrug wussten.
Der Spiegel-Bericht endet mit den Worten: "Doch mit den Ermittlungen im Zockermilieu gibt es jetzt ein mögliches Motiv. Es ist das erste Mal, dass die Fahnder eine plausible Idee haben, warum die neun Männer sterben mussten." Viel näher liegt die Vermutung, dass der Spiegel einfach eine schöne Geschichte aufgeschrieben hat, die sich spätestens in ein paar Wochen in Luft auflösen wird, weil auch mit der Spiegel-These und die der Ermittler des BKA die Döner-Morde nicht aufgeklärt werden. Dafür wette ich gerne zehn Flaschen guten sizilianischen Rotwein.
Inzwischen hat die Nürnberger Polizei, die die Ermittlungen geführt hatte erklärt, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Beteiligten im Wettskandal und der Döner-Mordserie gibt. Es handele sich dabei um eine "kalte Spur". Anderslautende Meldungen seien "aufgebauscht". Und weiter: "Bei keinem der Opfer sei eine potentiell motivgebende Verbindung zur Glückspielszene festgestellt worden. Die Behauptung, die Ladenbesitzer hätten allesamt finanzielle Probleme gehabt, sei falsch, sagte der Sprecher der Polizei gegenüber der Süddeutsche Zeitung vom 15. Dezember 2009. Mal sehen ob sich der Spiegel korrigiert.
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