Ndrangheta
Teil 2: Hintergründe zum Cafè de Paris in Rom in der Via Veneto deren Besitzer und Strohleute jetzt von der Staatsanwaltschaft Probleme bekommen
Wenn ein Frankfurter Gastronom stolz die Speisekarte des Cafè de Paris zeigt kann man davon ausgehen - er kennt die Hintergründe dieses Nobelrestaurants. Die kennt er auch und auch diejenigen in Frankfurt, die zu dem entsprechenden Ndrangheta-Clan hier gute Bezieungen pflegen. Da braucht man sich nur im Frankfurter Westend umzuschauen. Viel wichtiger ist jedoch, dass am 22. Juli das Restaurant wie zahlreiche weitere Restaurants und Immobilien von der Staatsanwaltschaft Reggio Calabria beschlagnahmt wurde. Doch wer steckt hinter dem Cafè de Paris und den anderen Immobillien? Und was hat es mit La Rampa zu tun, an dem auch Investoren aus Erfurt und Kassel beteiligt sind?
Mafia in Deutschland -
Es gibt einige neue Informationen über die italienische Mafia in Deutschland. Natürlich sind es alles nur haltlose Gerüchte.
Was erfährt der Reisende auf der Fahrt von Rom nach Kalabrien
Nach Rom bin ich nun in Richtung Sizilien unterwegs. Über Rom und einige Gespräche dort werde ich noch berichten, aber mit meinen Laptop gibt es manchmal Probleme. Auf dem Weg erinnere ich mich noch an die Worte von Alberto Cisterna, Oberstaatsanwalt der italienischen Direzione Nazionale Antimafia in Rom. Er berichtet mir, dass 80 Prozent des gesamten Blumenmarktes und 70 Prozent des gesamten Obstmarktes von Kampanien bis nach Rom von der Camorra kontrolliert werde. Dabei habe die Camorra schon weit im südlichen Hinterland von Rom wichtige Stützpunkte aufgebaut. Besonders wichtig sei für die Camorra,übrigens gilt das auch für die Ndrangheta, das Gebiet um Formia und Fondi. Gerade Fondi sei ein Zentrum der Camorra geworden. Dabei geht es um den größten Obst und Gemüseumschlagplatz in Zentral- und Süditalien, den Großmarkt Mercato Ortofrutticolo di Fondi. Erst vor kurzem ging die DIA (Direzione Investigativa Antimafia) gegen den Ndrangheta-Clan Tripodi aus Reggio Calabria in Fondi vor.
18. April - Schreiben und nicht Lesen
Meine Erfahrung ist, dass Die Zeit über die Mafia in Italien hervorragende Berichte schreibt und ebenso hervorragende Autoren hat. Aber wenn man sich mit der Mafia in Deutschland konkret beschäftigt, scheinen viele selbst seriöse Journalisten politisch blind zu werden oder wild um sich zu schlagen. Typisch dafür ist ein Artikel in der Die Zeit vom 16. April. Da schreibt Christian Denso über mein Buch "Mafialand Deutschland". Na, denke ich. Da hat ein kluger Kopf das Buch gelesen. Aber mein Eindruck ist er hat nur die ersten zwei Seiten gelesen. Denn nur darauf bezieht er sich, um dann die eigentllich politisch unwichtige Frage zu klären, warum ich mit meinen Bücher "solchen Erfolg" habe. Ich schreibe zu Beginn meines Buches über ein "Mafiadinner" in einem Nobelhotel und zitiere dabei aus der Einladung, nenne exakt die Quelle im Internet, definiere das Ganze als eine Inszenierung, ein Gaudium für Betuchte. Dann frage ich, ob die Mafia in Deutschland inzwischen eine Fiktion ist, ein Thema für besonders Events, eine Opera buffa? Danach beschreibe ich das Massaker in Duisburg, also die konkrete Praxis, und weiter den Einfluss der Ndrangheta in Deutschland. Das dialektische Verhältnis zwischen beiden Ereignissen (Mafia als Theateraufführung einerseits und die bittere Realität andererseits) hat der Autor dummerweise nicht verstanden oder er war schlicht intellektuell überfordert.
Musica della Mafia oder wie Journalisten und natürlich die Justiz die Mafia als Mythos befördern
Spätestens seit den Prozessen gegen Petra Reski weiß jeder, dass die Mafia eigentlich ein Mythos ist und deshalb muss man sich auch nicht ernsthaft damit auseinandersetzen. Viele Journalisten, glücklicherweise nicht alle, sehen die Mafia als ein exotisches Begleitproblem der Gesellschaft an und nennen die, die sich ernsthaft mit der gesellschaftlichen und politischen Bedeutung der Mafia auseinandersetzen, gerne Verschwörungstheoretiker. Daher sei Ihnen ein entlarvender Artikel der kalabresischen Journalistin und Schriftstellerin Francesca Viscone in "DIE ZEIT" empfohlen. Nachzulesen unter: http://www.zeit.de/2009/16/Mafiamusik?page=all
Kalabresische Impressionen oder Mutmaßungen über die Ndrangheta
Der italienische Premierminister Silvio Berlusconi, der Staatschef den ein besonderes Verhältnis zur Mafia auszeichnet, machte vor kurzem aus seiner wahren Gesinnung wieder einmal keinen Hehl. "Mein Vater hat gesagt, wenn einer Böses tun wolle, hat er drei Möglichkeiten. Er könne Krimineller, Staatsanwalt oder Zahnarzt werden. Zahnarzt falle heute weg, denn es gibt ja die Narkose." Daher eine kurze Stippvisite in die Region, wo die Mafia das Sagen hat, nach Kalabrien, eine Gegend, aus der viele honorige Männer und Frauen nach Deutschland kommen, die hier die Ruhe genießen - sowie die tollen Möglichkeiten die sich ihnen bieten. Zum Beispiel in Hessen oder Baden-Württemberg.
In Italien ist es ein großer Skandal - wie ein Senator der Berlusconi-Partei mit Hilfe der Ndrangetha nicht nur Milliarden Euro gewaschen, sondern auch Wahlstimmen mit Hilfe der Ndrangheta in Deutschland fälschte.
Bekannt ist, dass der Senator Nicola Di Girolamo mit tatkräftiger Unterstützung der Ndrangheta in einem Auslandswahlkreis in Brüssel gewählt wurde. Ein Foto zeigt ihn mit einem Ndrangheta-Boss namens Franco Pugliese. Und es gibt Telefonprotokolle, die auf Verbindungen nach Deutschland, insbesondere Stuttgart und Umgebung schließen lassen.
Es war vorauszusehen, dass es Verbindungen zwischen Mario L. aus Stuttgart und dem Ndrangheta-Boss Franco Pugliese gibt. Franco Pugliese gibt das selbst zu.
Inzwischen wurde in der itallienischen Zeitung La Repubblica ein weiterer Mitschnitt von Telefongesprächen zwischen dem korrupten italienischen Senator Di Girolamo und seinen Hilfstruppen der Ndrangheta veröffentlicht. Und in Österreich hat die Zeitschrift Profil den einzigen bedeutenden Beitrag zu den Hintergründen im deutschsprachigen Raum veröffentlicht. Viel wichtiger noch ist, was Franco Pugliese selbst in einem Brief schreibt, den die Zeitung Gazzetta del Sud veröffentlicht hat. Ja, er war bei Mario L. in Mandatoriccio und hat ihn um Unterstützung gebeten. Aber warum hört man darüber nichts beim LKA in Stuttgart. Ist die Angelegenheit politisch zu brisant?
Ndrangheta in Germany - Ein ehrenwerter italienischer Gastwirt zwischen Kalabrien und Stuttgart
Hier kommt Mario, ein berühmter Gastwirt aus Stuttgart, der einst - lange scheint es her - gute Beziehungen zum damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden in Baden-Württemberg, G. Oettinger, hatte. Das Foto entstand im Hochsommer 2008 und viele Gäste mit ihren Kindern aus Frankfurt, Offenbach und Stuttgart machten bei ihm Urlaub. Er weiß glücklicherweise nicht wer ich bin. Deshalb lädt er mich ein, ein wenig bei ihm zu verweilen und sogar zu übernachten. Zum ersten Mal habe ich mich im Jahr 1993 ein wenig mit ihm beschäftigt. Da drohte er mir bereits mit einem Rechtsanwalt, rückte ich ihn doch ungerechterweise in die Nähe der kalabresischen Mafia, bezeichnete ihn damals gar als Drogengeldwäscher. Danach beschäftigte sich mein Kollege Rainer Nübel mit ihm. Heute ist Oettinger Ministerpräsident. Und der italienische Gastwirt ist hier auf seinem Besitz zu sehen, einer Ferienanlage, Da Mario, in Mandatoriccio-Lido, an der Ostküste Kalabriens. Ein Teil der Geschichte des freundlichen Mario findet sich in "Mafialand Deutschland". Aber eben nur ein Teil. Der Rest wird hier irgendwann einmal veröffentlicht werden.
Wahrheit oder Dichtung?
Der Spiegel ist ja inzwischen als Transformator nicht nur kritischer Berichterstattung bekannt, sondern huldigt zunehmend einem ziemlich platten konservativen Zeitgeist. Das unsägliche dumme Buch des Redakteurs Jan Fleischhauer, oder die Berichterstattung über die Stasi-Akte eines Herrn Kurras, sie markieren die Tendenz. Hin und wieder beschäftigt sich der Spiegel auch mit der italienischen Mafia. Und da fällt mir nun ein aufschlussreicher Bericht von Giuseppe Baldessarro in der kalabrischen Zeitschrift il Quotidiano della Calabria in die Hände. Deren Journalisten kennen sich nun wirklich mit der Ndrangheta aus. Und was er berichtet... na ja, da soll sich der Leser, bzw. die Leserin ein eigenes Urteil bilden.
Müllabladeplatz Kalabrien
Seit einigen Wochen wird überwiegend in Italien darüber berichtet, dass Anfang der neunziger Jahre Schiffe, beladen mit radioaktivem Giftmüll, versenkt wurden. Bislang ist in den Medien die Rede von 30 Schiffen. Gespräche mit Ermittlern in Rom und Kalabrien, mit denen ich gerade gesprochen habe, ergeben ein anderes, ein grausames Bild.
Günther Oettinger erwartet ihn Brüssel kein idyllisches Paradies. Sein Heimatland war doch viel liebenswerter ihm gegenüber.
Hätte Günther Oettinger gewusst was der BND in einem Papier bereits im Jahr 2006 geschrieben hatte, wäre er vielleicht doch in Stuttgart geblieben, dieser so lieblichen Gemeinde. Als Zentren der Geldwäsche, behauptet der BND, gelte für die itallienische Mafia, im besonderen die 'Ndrangheta, u.a. Belgien. Originalzitat: "In Brüssel wurden Hunderte von Immobilien ( ein halbes Stadtviertel) über ein kleines Heer von Strohmännern gekauft."
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